Adaptcha – Revolution oder YAWOL?
Letzte Woche ist ein Dienst an den Start gegangen, der das bekannte Captcha-Verfahren mit Werbung verknüpft. Sein Name lautet Adaptcha (www.adaptcha.com) und kommt aus der Schweiz. Derzeit noch als Closed-Beta gekennzeichnet verspricht die Seite sowohl für Werbetreibende als auch für diejenigen, die den Dienst in ihre Seiten einbinden die Megavorteile gegenüber der klassischen Werbung.
Zuvor aber eine kurze Erläuterung des Captcha-Verfahrens. Sicher ist jedem schon mal aufgefallen, dass bei Online-Anmeldungen oder beim Verfassen von Blog- oder Forenkommentaren merkwürdige Buchstaben- oder Zahlenkombinationen eingegeben werden müssen, um den Beitrag oder die Anmeldung durchführen zu können. Dies wird verwendet, um automatisierte Anmeldungen oder Kommentarspam zu verhindern. Man geht bei dem Verfahren davon aus, dass Maschinen und Skripte diese Zeichen nicht lesen können und somit nur der persönlich vor dem Bildschirm sitzende Anwender die richtige Kombination verwenden kann. Dieses Verfahren hat sicherlich seine Berechtigung, ist aber auch nicht unumstritten in der “Community”.
Auf alle Fälle als störend wird die allgegenwärtige Werbung a’la Google Adsense empfunden. Sie wird vom Besucher registriert, aber in der Regel ignoriert. Der viel zitierte Kontext ist meist auch nicht gegeben, oder zumindest fraglich. Aber das ist ein anderes Thema. Zumindest ist es der Versuch des Blog- oder Seitenbetreibers seine technischen Kosten zu decken oder sogar davon zu leben. Letzteres ist sicherlich weltweit nur einer Handvoll Bloggern gelungen.
Adaptcha jedenfalls verbindet jetzt beide Aspekte miteinander und verspricht, dass das Captchaverfahren genauso sicher sei, wie sein Zahlen- und Buchstabenpendant, und dass die Werbung nie wieder ignoriert wird. Genau im Gegenteil: man muss sich mit der Werbung auseinandersetzen, da die Captcha-Antwort in der Werbebotschaft zu finden ist. Sogar kleine Werbefilme soll man einbinden können.
Auf den ersten Blick mag nun der geneigte Leser zum Schluss kommen: ja, das hört sich doch super an; endlich zwei sinnlose, nervende Sachen zu einem einzigen, meist nicht zum Layout passenden Etwas vereint. Jemand anderes mag einwerfen: was wollt ihr; die Sachen sind doch eh immer da, dann doch lieber nur an einer Stelle, als die ganze Seite verschandeln.
So ähnlich gingen dann auch letzte Woche gleich die Diskussionen los. Sie gipfelten in der Aussage eines Freundes, dass er mit uns nichts mehr zu tun haben möchte, wenn wir derartiges in unsere Seiten einbauen würden.
Damit wird aber auch die ganze Bandbreite der Wahrnehmung deutlich. Aus Sicht der Werbetreibenden mag dieses Verfahren sicherzustellen, dass der Benutzer die Botschaft nicht ignoriert. Der Betreiber einer Site muss zum Thema “Klicken” nicht tricksen. Und der Anwender? Der muss, ob gewollt oder nicht, die Information verarbeiten. Gut, dass er dies nur zum Zeitpunkt der Anmeldung oder dem Hinterlassen eines Kommentars tun muss. Alternativ bliebe ihm sonst nur das Ignorieren der gesamten Site.
Insofern stellt sich die Frage: handelt es sich bei Adaptcha um eine Revolution der Online-Werbung oder doch nur um ein YAWOL (Yet Another Way Of Loitering)?
